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Herzklappenerkrankung beim Hund

Das häufigste Herzproblem beim Hund ist neben der Herzmuskelerkrankung eine degenerative (gewebeabbauende) Herzklappenerkrankung (Klappenendokardiose).
Symptome dieser Erkrankung sind Atemnot, Husten, Leistungsschwäche und Unruhe.

Zur Diagnose dieser Erkrankung werden spezielle Untersuchungen wie Herzauskulation, EKG, Ultraschall und Röntgen von Herz und Lunge eingesetzt, um anschließend gezielt und individuell behandeln zu können.

Bei der Auskultation (Abhören) eines gesunden Herzens sind 2 gut voneinander abgesetzte Herztöne ('buh-dup') hörbar. Wenn jedoch andere Geräusche bzw. ein Rauschen zu hören sind, besteht Verdacht auf eine Erkrankung der Herzklappen. Im gesunden Herz fließt das sauerstoffreiche Blut von der Lunge über den linken Vorhof, vorbei an der 2-teiligen Mitralklappe in die linke Herzkammer. Von hier wird das Blut in den Körperkreislauf gepumpt, wodurch es den Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Sauerstoffarmes Blut gelangt über den rechten Vorhof, vorbei an der 3-teiligen Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer, die das Blut wieder in die Lunge pumpt. Die Herzklappen im Inneren der beiden Herzhälften zwischen Vorhöfen und Herzkammern funktionieren wie Ventile und sollen dafür sorgen, dass das Blut jeweils nur in eine Richtung fließen kann, entweder zur Lunge (rechts) oder in den Körper (links). Beide Herzklappen können durch verschiedene Erkrankungen des Herzens oder durch Alterung ihre Funktion und Dichtigkeit verlieren und dadurch bestimmte Symptome hervorrufen. Wenn die Herzklappen nicht mehr dicht sind, führt das vor allem dazu, dass sich Blut zurückstaut statt in die richtige Richtung zu fließen. Dies bewirkt in der rechten Herzhälfte einen Blutstau im Körper, in der linken Herzhälfte einen Rückstau in die Lunge. Die Mitralklappe, die im linken Herzen das Blut vor dem Rückfluss in den Lungenkreislauf stoppen soll, ist die am häufigsten von Erkrankungen betroffene Herzklappe. Wenn diese Klappe undicht ist, verursacht sie durch den Rückstau in der Lunge ein Lungenödem, auch als 'Wasser in der Lunge' bezeichnet. Dies beeinträchtigt den Atmungsvorgang erheblich und führt zu den eingangs beschriebenen Symptomen wie Atemnot, Husten, Leistungsschwäche und Unruhe.

Als Folge der Klappenschwäche entstehen am Herzen weitere Schäden wie beispielsweise eine krankhafte Herzvergrößerung (Herzdilatation), Muskelschwäche und Rhythmusstörungen. Ebenso kann es durch den Sauerstoffmangel aufgrund der gestörten Lungenfunktion zu neurologischen Anfällen (Bewusstseinstrübung, Krämpfe) kommen. Im weiteren Krankheitsverlauf entstehen Ödeme in der Peripherie des Körpers, z.B. an den Gliedmaßen.

Von der Klappenendokardiose sind besonders kleine und mittlere Hunderassen ab dem 5. Lebensjahr betroffen.

 

Behandlung

1. Blutdruck senken
Sog. ACE-Hemmer erweitern die Blutgefäße und senken so den Blutdruck. Das Herz muss dann nicht mehr gegen so hohen Druck pumpen, geschädigte Klappen und Herzmuskulatur werden weniger stark belastet.

2. Herzkraft steigern
Der Wirkstoff Pimobendan steigert die Kontraktionskraft des Herzens und wirkt gefäßerweiternd. Diese Doppelwirkung ergänzt den ACE-Hemmer, steigert das Wohlbefinden des Hundes und verlängert die Überlebenszeit.

 

3. Entwässern
Mittel zur Entwässerung (Diuretika) verstärken die Tätigkeit der Nieren, die mehr Wasser ausscheiden und dieses sozusagen 'aus der Lunge' ziehen. Folge ist eine Erleichterung der Atmung.

 

4. Omega 3 - Fettsäuren
Die sehr geringe Rate an Herz- Kreislauf-Erkrankungen bei Eskimos ist auf deren hohen Fischkonsum und damit hohen Aufnahmen von Omega -3-Fettsäuren zurückzuführen.
Ähnlich gute Wirkung ist beim Hund nachgewiesen und sollte bei der Fütterung bedacht werden.

 

Vorbeuge

Neben der guten Fütterung ist viel Bewegung Voraussetzung für ein gesundes Herz.
Zu betonen ist regelmäßige Zahnpflege insbesondere Zahnsteinentfernung, da Zahnkeime - ähnlich wie beim Menschen - die Herzklappen angreifen können.

Abschließend ist zu sagen, dass ein Hund mit Herzklappenfehler mit richtiger medizinischer Versorgung bei guter Lebensqualität alt werden kann.

© Dr. Ulrich C. Kreime M.Sc.