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Augenoperationen bei Hund und Katze

Erkrankungen der Augen bei Hund und Katze lassen sich häufig mit Medikamenten behandeln. Diese Medikamente werden lokal angewendet in Form von Augentropfen/Augensalben oder in Tablettenform z.B. über das Futter.
Ein gutes Beispiel für die medikamentelle Behandlung einer Augenerkrankung ist die Bindehautentzündung, die mit den richtigen Medikamenten behandelt, in wenigen Tagen abklingt.
Allerdings reicht die alleinige medikamentelle Behandlung bei anderen Augenerkrankungen nicht aus. Diese bedürfen der chirurgischen Versorgung.

 

Augenlider
Lidfehlstellungen sind oft angeboren - selten verletzungsbedingt- und bedürfen der chirurgischen Korrektur.
Das Einwärtsdrehen des Lidrandes bezeichnet man als Entropium. Es verursacht eine Entzündung und Schmerzen, weil die ersten Haarreihen den Augapfel reizen. Durch operative Straffung bringt man das Lid in die richtige Stellung.
Das Auswärtsdrehen des Lidrandes bezeichnet man als Ektropium. Es verursacht das sog. offene Auge. Der fehlende Lidschluss bewirkt eine Störung des Tränenflusses und die Bindehaut trocknet aus und ist deshalb ständig entzündet. Auch hier ist eine chirurgische Korrektur nötig.
Aus den Öffnungen kleiner Drüsen am Lidrand können Haare wachsen. Es sind fehlgeleitete, überzählige Wimpern, die teilweise so zahlreich auftreten, dass man von einer 'zweiten Wimpernreihe' spricht. Die Symptome sind vermehrtes Tränen, erhöhte Lidschlagfrequenz (Blinzeln), Reiben am Auge und bakterielle Folgeinfektion. Entfernt werden diese Haare durch manuelle Epilation in Narkose (auszupfen), was allerdings nur eine vorübergehende Linderung bewirkt, da die Haare nachwachsen. Besser ist die Elektroepilation, bei der auch die Haarwurzel mit entfernt wird.
Verletzungen der Lider müssen in der Regel operativ versorgt werden, um den Lidschluss wieder herzustellen. Dies sollte innerhalb der ersten 8 Stunden erfolgen, um eine bessere Wundheilung zu erzielen.


Nickhautdrüse
Die Nickhautdrüse, auch '3. Augenlid' genannt, befindet sich im inneren Augenwinkel und ist am gesunden Auge nur zum kleinen Teil zu sehen. Diese Drüse ist zusammen mit dem Aufhängeapparat der Linse (Ziliarkörper) für die Produktion der wichtigen Tränenflüssigkeit verantwortlich. Bei kurznasigen Hunderassen wie Bulldoggen und Boxern kommt es häufig zum Vorfall der Drüse. Sie zeigt sich dann als eine rote, runde Masse im inneren Augenwinkel. Die Drüse ist vergrößert und entzündet. Bei der operativen Versorgung wird die veränderte Drüse nicht entfernt, sondern eingestülpt und vernäht, so dass sie wieder hinter den Lidern verschwindet, jedoch weiter Tränenflüssigkeit produzieren kann.


Hornhaut
Die Hornhaut ist die äußere, durchsichtige Schicht des Auges und aufgrund ihrer exponierten Lage für Verletzungen besonders anfällig. Oberflächliche Verletzungen können mit Medikamenten gut beherrscht werden. Tiefe Wunden der Hornhaut müssen operiert werden, da sie tendenziell schlecht heilen und die Gefahr besteht, dass das Auge 'platzt'. Hierfür wird aus der Bindehaut ein Lappen (Flap) gewonnen und auf den Hornhautdefekt genäht. Später wird dieser Bindehautlappen wieder entfernt, zurück bleibt lediglich eine kleine weiße Narbe.


Das innere Auge
Operationen an inneren Strukturen des Auges, wie Linse, Glaskörper und Netzhaut werden heutzutage auch bei Hund und Katze durchgeführt. Diese Operationen bleiben jedoch aufgrund des instrumentellen Aufwands (Laserchirurgie) Spezialinstituten vorbehalten.

Abschließend ist zu sagen, dass Erkrankungen des Auges - ob Verletzung oder Entzündung - immer einen Notfall darstellen. Bei zu später Behandlung können Strukturen dieses so wichtigen Sinnesorgans bereits irreversibel zerstört sein.
Da viele Augenerkrankungen von erheblichen Schmerzen begleitet werden, ist auch deshalb rasches Handeln notwendig.

© Dr. Ulrich C. Kreime M.Sc.